Diplom HF

Tourismus studieren: Warum gerade jetzt?

Die Reisebranche und der Tourismus sind im Wandel – so wie das Tourismusstudium. Das «was» hat an Bedeutung verloren, stattdessen wird dem «wie» vielmehr Beachtung geschenkt. Es ist Zeit für neue Perspektiven.

Die Schlagzeilen der vergangenen Monate versprechen kaum rosige Zukunftsperspektiven für den Tourismus. Aber Reisen stellt auch heute ein Grundbedürfnis dar und Expertinnen und Experten sind sich einig, dass dies auch nach der Corona-Krise so bleiben wird. Manche sprechen sogar von einem grossen Nachholbedarf nach Reisen, den es in Zukunft zu stillen gilt. Dennoch ist die Frage nach dem «wie?» eine, deren Relevanz spätestens zu Corona-Zeiten auch ausserhalb der Branche offen diskutiert wird. An der Höheren Fachschule für Tourismus (HFT) Graubünden im Engadin werden die Studierenden befähigt, auf diese Fragen Antworten zu suchen. 


Der Ort, bei dem das «Können» und nicht das «Wissen» im Zentrum steht

Ginge es an einer Tourismusfachschule darum, Wissen aus Büchern zu vermitteln, wäre die Gefahr gross, dass Studierende die Zukunft aus dem Wissen der Vergangenheit weiterschreiben. Zum Glück sind den Höheren Fachschulen die «Handlungsorientierung» sowie die «Kompetenzentwicklung» und nicht die «Wissensvermittlung» von oberster Stelle vorgegeben. Wenn die Frage nämlich lautet «Auf welche Daten stütze ich mich, wenn ich den Preis eines Flugtickets oder einer Ferienwohnung festlegen möchte?» oder «Wie gestalte ich das touristische Angebot so, dass die Wertschöpfung vor Ort bleibt?» ist es irrelevant, ob wir uns in Zeiten vor, während oder nach Corona befinden. Dann gilt es, die aktuellsten Herangehensweisen kontextualisiert zu erkennen, zu reflektieren und daraus Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. 

Eine wichtige Rolle bei der Kompetenzentwicklung spielen relevante Vertreterinnen und Vertreter aus touristischen und tourismusnahen Betrieben. Sie teilen ihre Erfahrungen offen, nehmen visionäre Themen auf und bearbeiten diese gemeinsam mit den Studierenden. Dieser Austausch von Praxis und Theorie kann zu unkonventionellen, innovativen Ideen und Projekten führen. Weiter geben Exkursionen einen reellen Eindruck, wie die Situation vor Ort aussieht. 


Neue Kompetenzen sind gefragt

Die HFT Graubünden bildet nicht nur die im Rahmenlehrplan geforderten touristischen Handlungskompetenzen aus, sondern integriert die Zukunftskompetenzen, die sich aus der «Bildung für nachhaltige Entwicklung» ableiten, konsequent in den Lehrplan. Dazu gehören zum Beispiel kritisch-konstruktives und vernetztes Denken, die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel, das vorausschauende Denken und Handeln sowie die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen und Handlungsspielräume im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung zu nutzen. 


Innovativ, mutig und widerstandsfähig

Dass die Kompetenzvermittlung und Handlungsorientierung an der HFT Graubünden Früchte trägt, zeigt folgendes Beispiel: 

Vitalba Scarlata und Laurent Schenkel, aktuell Studierende im 3. Studienjahr, haben Verantwortung übernommen und diesen Sommer mit «Avventura Sils Maria» ihre eigene Geschäftsidee verwirklicht. Auf einem authentisch restaurierten Ruderboot bieten sie exklusive Bootstouren an die lauschigen Uferplätze des Silsersees im Engadin an. Das Picknick besteht aus liebevoll angerichteten lokalen Spezialitäten. Sportbegeisterte können zudem bei Laurent, dem ehemaligen U-23 Schweizermeister im Halbmarathon, Trailrunning-Touren auf den Trails des Oberengadins buchen. 

Die HFT Graubünden hat noch viele weitere Geschichten zu erzählen. Dank der wertvollen Zusammenarbeit mit führenden Praxispartnerinnen und -partnern bildet sie nicht nur motivierte, qualifizierte und auf dem Arbeitsmarkt begehrte Touristikerinnen und Touristiker aus. Auch werden diese in hohem Masse dazu befähigt, für sich und für andere Verantwortung zu übernehmen und eine nachhaltige Tourismusentwicklung aktiv mitzugestalten. Es ist Zeit für neue Perspektiven.