Story

Von der Realschülerin zur Studentin

Am Anfang erbrachte sie nur knapp genügende Schulleistungen, heute studiert Eve Meier Informatik an der Hochschule Luzern. Ihr Werdegang macht deutlich, dass im Schweizer Bildungssystem alle Wege offen stehen. Es gibt keinen Abschluss ohne Anschluss.

Eve Meier hat keine gewöhnliche Schulkarriere hinter sich. Als Tochter einer Amerikanerin beginnt sie ihre schulische Laufbahn in einer Privatschule. Zu Beginn der fünften Klasse wird sie dann in die Volksschule und damit in das Schweizer Bildungssystem eingegliedert. Die Umstellung fällt ihr allerdings nicht ganz leicht: «Es war alles plötzlich total anders, ich hatte überhaupt nicht dasselbe Prüfungssystem.» Eve gelingt es deshalb nur knapp, mit der neuen Klasse und deren schulischem Niveau mitzuhalten. Ihre Schulnoten führen dazu, dass sie auf Realniveau eingestuft wird. Eve möchte aber nicht aufgeben, nach kurzer Zeit schafft sie es, ihre schulischen Leistungen zu verbessern und auf Sekundarniveau aufzusteigen.

Arbeit statt Schule

Eves Mutter wünscht sich zwar, dass sie im Anschluss die Kantonsschule besucht, die junge Zugerin will aber nicht länger die Schulbank drücken und lieber arbeiten gehen: «Ich wollte unbedingt bereits damals in die Arbeitswelt einsteigen und nicht zu einem späteren Zeitpunkt ins kalte Wasser geschmissen werden. Meine Mutter kannte aber das Schweizer Schulsystem nur wenig und konnte sich nicht vorstellen, dass die Lehre eine gute Alternative darstellt.» Aus Uneinigkeit folgt die Lösung des schulischen Brückenangebots (S-B-A) in Form eines 10. Schuljahres.

Heute ist sie Studentin

Danach absolviert sie eine Lehre als Informatikerin EFZ und schliesst diese 2013 erfolgreich ab – sogar mit der Berufsmaturität. Eve Meier bleibt daraufhin noch während kurzer Zeit im Betrieb, wechselt dann aber an die Kantonsschule Zug. Sie lacht: «Heute bin ich in der Kantonsschule, nur eben als Arbeitnehmerin und nicht als Schülerin.» Dort ist sie nun verantwortlich für die gesamte PC-Infrastruktur. Die mittlerweile 24-Jährige studiert aktuell berufsbegleitend Informatik an der Hochschule Luzern in Rotkreuz. «Eigentlich wollte ich nie Studentin werden, aber da mir die Möglichkeit offen stand, dachte ich mir, wieso nicht?» Ihr Arbeitgeber, die Kantonsschule Zug, sei ihr sehr entgegengekommen, so dass sie in einem 60-Prozent-Pensum arbeiten und die restliche Zeit ins Studium investieren kann. Momentan befindet sie sich im siebten Semester. Bis zum Bachelor rechnet sie mit neun oder zehn Semestern.

«Auf sich selber hören»

Da Eve bereits Arbeitserfahrungen sammeln konnte, glaubt sie gewisse Vorteile ins Studium mitzubringen: «Gerade bei Gruppenarbeiten bemerke ich, dass ich schon Arbeitsluft geschnuppert habe. Das Miteinander und die Teamfähigkeit sind bei mir vielleicht etwas weiter entwickelt als bei anderen Studierenden.» So sei man es sich aus der Arbeitswelt gewohnt, nicht immer nur auf Gleichaltrige zu treffen, sondern auf Menschen jeder Altersklasse. Eve sitzt an einem Tisch in der Mensa der Kantonsschule Zug und wirkt sehr selbstbewusst. «Ich musste mich ja auch einige Male durchsetzen», meint sie lächelnd. Jugendlichen würde sie daher raten, auf sich selber zu hören. «Ich habe in der Realschule begonnen und werde bald Akademikerin sein. Mit der Wahl zur Lehre verbaut man sich überhaupt nichts.» Wer weiss, vielleicht meldet sich Eve schon bald für ein Masterstudium an.

Dieser Beitrag erschien 2017 im Magazin «Berufsbildung Zug» und wurde durch api media verfasst.