Vom Elektroinstallateur zum Geschäftsleiter

Dass man als Schüler, der erst spät das Interesse am Lernen entdeckte, und mit einer handwerklichen Berufslehre eine steile Karriere hinlegen kann, beweist der Lebenslauf von Patrick Sommer. Er verrät, dass Interesse, ein Ziel und Freude an der eigenen Aufgabe dafür das Wichtigste sind.

Stand selbst einmal an der Stelle eines Lernenden – heute führt Patrick Sommer den grössten Geschäftsbereich der Frey+Cie Gruppe mit 300 Mitarbeitenden.
 

Seit dem 1. August 2019 ist der 36-jährige Malterser Patrick Sommer Geschäftsleiter der Frey+Cie Elektro AG in Luzern. Damit steht er 300 Mitarbeitenden vor und trägt die Verantwortung für den grössten Geschäftsbereich der Frey+Cie Gruppe, die total 20 Firmen und rund 1000 Mitarbeitende umfasst.
Nach rund drei Monaten im Amt zieht er eine erste Bilanz: Ihm gefällt die Arbeit. «Mir macht die Personalführung Spass und es gefällt mir, Strategien zu entwickeln und Prozesse zu optimieren.» Was ihm nebst seinen Aufgaben ebenfalls wichtig ist: «Das Team stimmt. Ich weiss, dass die Mitarbeitenden hinter mir stehen – sonst hätte ich die Stelle nicht angenommen.» Sommer ist überzeugt, dass dieser Rückhalt in der Firma nicht zuletzt mit seinem Ausbildungsweg und beruflichen Werdegang zu tun hat.
 
Als der Knoten aufging
Darum von vorne. Von seiner Schulzeit sagt Sommer: «In der Primarschule war ich nicht der überragendste Schüler, meine Noten waren eher mässig, genauso das Interesse am Lernen.» Erst die naturwissenschaftlichen Fächer und die weiterführenden Themen in der Mathematik weckten in der Oberstufe seine Neugier. Der Knoten lockerte sich. Dann stand die Berufswahl an. Durch seine Vorbilder, den zehn Jahre älteren Bruder sowie den Onkel, kam Sommer mit dem Beruf des Elektroinstallateurs – damals Elektromonteur – in Kontakt. In verschiedenen Schnupperlehren wollte er aber selbst herausfinden, ob das auch «sein» Beruf ist. Er schnupperte mehrfach als Elektroinstallateur, aber auch als Sanitärinstallateur, als Hochbauzeichner und – um noch eine ganz andere Richtung zu sehen – als Bäcker/Konditor. So fand er für sich heraus: Sein Einstieg in die Berufswelt soll handwerklich sein. Und in der Berufsberatung erhielt er die endgültige Bestätigung zum Beruf Elektroinstallateur, «weil es eine sehr gute Grundausbildung ist, mit breiten Entwicklungsmöglichkeiten».
Die vierjährige Lehre absolvierte er bei der Frey+Cie Elektro AG in Luzern. Dort ging der schulische Knoten endgültig auf. «Die Fächer interessierten mich einfach. Auch mein Ehrgeiz war plötzlich geweckt», sagt Sommer. So ging alles Schlag auf Schlag: Lehrabschluss, Rekrutenschule, Vollzeit-Berufsmatura, Studium. «Ob ich die Berufsmatura rückblickend lehrbegleitend hätte machen sollen? Vielleicht. Es gibt kein Richtig oder Falsch. Damals hat es für mich gepasst, die Lehre ohne Berufsmatura zu absolvieren.» Umso klarer waren die Schritte nach der Lehre: «Nachdem ich gefunden hatte, was mich interessiert und was zu mir passt, hatte ich das Ziel fest vor Augen: das Studium mit Fachrichtung Elektrotechnik an der HTA Horw (heute: Hochschule Luzern – Technik & Architektur).» Diese Botschaft – etwas zu finden, das einem Freude macht, und dieses Ziel konsequent zu verfolgen – will er den Jugendlichen von heute weitergeben.


«Eine Lehre bringt einen persönlich weiter.»

Patrick Sommer


Mit Leidenschaft zur Erfahrung
Patrick Sommer ist überzeugt, dass die Lehre und Berufsmatura mit anschliessendem Studium eine sehr gute Wahl sind: «Eine Lehre bringt einen persönlich weiter. Man lernt früh den Umgang mit Vorgesetzten, Mitarbeitenden und Kunden. Die Ausbildung gibt einen Einblick ins Praktische und ist eine hervorragende Grundlage für ein Studium.» Dabei schlägt die Berufsmatura die Brücke von Lehre zu Studium und ermöglicht einen prüfungsfreien Zugang zu vielen Studiengängen.
Ihm persönlich brachte dieser Weg in seiner heutigen Anstellung zudem grosses Verständnis für die Aufgaben und Herausforderungen «draussen» auf der Baustelle. Auch kennt er die Sichtweise und Sorgen der Lernenden, hatte er doch ebenfalls als Jugendlicher einen allerersten Arbeitstag in «dieser unbekannten Arbeitswelt».
Sommer hat einen weiteren Tipp auf Lager: «Erfahrungen sammeln.» Nach seinem Studium folgten mehrere Anstellungen. Als Projektingenieur bei der ABB Schweiz AG lernte Sommer den Engineering-Bereich kennen und entwickelte Gasturbinenstarter. Als Produktmanager bei der Pfisterer Sefag AG war er für Komponenten für den Hochspannungs-Freileitungsbau zuständig. Um Kunden zu beraten und zu unterstützen, war er weltweit, besonders im arabischen Raum, unterwegs. Da er hierbei auch mit betriebswirtschaftlichen Aspekten in Berührung kam, absolvierte er zu dieser Zeit berufsbegleitend den Master in Business Administration an der Fachhochschule HTW Chur – wo er sich im Bereich Unternehmungsführung, Personalführung und Managementmethodik weiterbildete.
Mit Blick auf diese Jobs sagt Sommer: «Das war eine intensive, aber spannende und lehrreiche Zeit.» Lehrreich auch, weil er erkannte, wo es ihn beruflich hinzog: Wieder weg vom internationalen Industriebereich, zurück in die Baubranche. So kam er 2015 als Abteilungsleiter wieder zur Frey+Cie Elektro AG und absolvierte die Praxisprüfung, was seine Fachkundigkeit im Umfeld der Elektrobranche abrundete.
 
Einsatz für Ausbildung
Mit diesem «Rucksack» an Bildung und Erfahrung wurde Patrick Sommer nun Geschäftsleiter – und ist bestes Beispiel und Treiber der «Frey+Cie Gruppen»-Philosophie. Denn diese setzt sich stark für die Ausbildung ein. 170 Lernende beschäftigt die Gruppe, 58 davon arbeiten für die Frey+Cie Elektro AG. Dafür hat das Unternehmen zeitgemässe Programme geschaffen: allen voran das zweiwöchige «Basic Camp» zu Beginn der Lehre, aber auch ein neues Ausbildungsprogramm für Berufsbildner, ein Trainingszentrum und Theorieförderkurse. So schliesst sich der Kreis, wenn Patrick Sommer den Grund für dieses Engagement erläutert: «Will die Baubranche gut ausgebildete Fachkräfte – und die braucht sie –, dann müssen wir sie selbst gut ausbilden und fördern.»


Text: Irene Reis / Bild: Christoph Arnet

Mein Weg

Master of Advanced Studies in Business Administration

Diplomierter Elektroingenieur FH

Technische Berufsmatura

Elektromonteur EFZ

Die Berufsmatura

Die Berufsmatura (BM) ist ein eidgenössisch anerkannter Abschluss, der die Lehre mit einer erweiterten Allgemeinbildung ergänzt. Wie die Dienststelle Berufs- und Weiterbildung des Kantons Luzern auf ihrer Webseite schreibt, bietet die BM somit eine doppelte Qualifikation: die Berufs- und die Studierfähigkeit. Sie ergänzt die praxisorientierte berufliche Grundbildung mit einer vertieften Allgemeinbildung, fördert das ganzheitliche Denken, das selbstständige Lernen sowie die Ausdrucks- und Teamfähigkeit. Die Berufsmatura ermöglicht den prüfungsfreien Zugang zu Fachhochschulen. Je nach Studienrichtung wird die fachspezifische Eignung abgeklärt oder ein Aufnahmeverfahren durchgeführt. Mit dem Passerellen-Lehrgang und einer Ergänzungsprüfung ist auch der Zugang zur Universität möglich. Die Berufsmatura kann berufsbegleitend während der Lehre oder Vollzeit nach der Lehre absolviert werden.

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