Die Chance packen – zu jeder Zeit

Im Erwachsenenalter noch einen Berufsabschluss absolvieren – dies leisten zehn Mitarbeitende bei maxon in Sachseln. Sie erwerben ihr eidgenössisches Fähigkeitszeugnis als Automatikmonteure und -monteurinnen. Ein Mehrwert für die Auszubildenden, aber auch für die Firma.

In Lernateliers unterstützen die Berufsbildner die Klasse.

 

Die Berufsschulklasse der maxon könnte heterogener nicht sein – neun Frauen, ein Mann, im Alter zwischen 25 und 50 Jahren, viele mit einem Migrationshintergrund, mit Familie oder ohne, jemand besitzt sogar einen universitären Abschluss in Weissrussland. Doch sie alle haben etwas gemeinsam: Die Mitarbeitenden des Obwaldner Unternehmens maxon absolvieren im Erwachsenenalter ihren Berufsabschluss – als Automatikmonteure und -monteurinnen EFZ. Am Dienstagabend findet jeweils der zweistündige allgemeinbildende Unterricht (ABU) durch eine Videokonferenz mit dem Lehrer statt. Zusätzlich besucht die Klasse am Freitagabend vier Stunden den Unterricht im Berufs- und Weiterbildungszentrum BWZ Obwalden für den fachspezifischen Unterricht. Die Auszubildenden – speziell Leute, welche Deutsch nicht als Muttersprache haben – erhalten auch in wöchentlichen Lernateliers im Betrieb Unterstützung in der Festigung der Fachsprache, aber auch in der Vorbereitung zur praktischen Teilprüfung.

Unter ihnen ist auch Romaine Feller aus Stalden OW. Die 25-Jährige musste ihre Lehre als Uhrenmacherin abbrechen und kam im Anschluss zu maxon, wo sie als Hilfskraft in der Produktion angestellt wurde. Dies vorerst nur temporär, aber zwei Jahre später erhielt sie die Festanstellung. Jetzt nimmt sie die Ausbildung zur Automatikmonteurin EFZ in Angriff. Für die Obwaldnerin ist der Mehraufwand durch die zweijährige Ausbildung keine Last, sondern ein Glücksfall. «Maxon hilft mir dabei, mich weiterzubilden, und unterstützt mich sehr.» Die Schulkosten werden von Bund und Kanton getragen.


Maxon ermöglicht ihren Mitarbeiterinnen, Vollzeit zu arbeiten und gleichzeitig einen Berufsabschluss zu erwerben.

Ziel des Projekts «Berufliche Grundausbildung für erwachsene Automatikmonteurinnen EFZ»


Pilotversuch erfolgreich
Das Projekt, welches das Unternehmen gemeinsam mit dem Kanton Obwalden lanciert hatte, ist schweizweit einmalig und startete vor einem Jahr mit acht Mitarbeiterinnen von maxon. Da der Pilotversuch so gut lief, sind auch in diesem Jahr zehn Personen in die zweijährige Ausbildung gestartet. Thomas Müller ist bei maxon Leiter der Berufsbildung und Initiant des Projekts «Berufliche Grundausbildung für erwachsene Automatikmonteurinnen EFZ» und erklärt die Idee hinter dem Projekt: «Wir haben bei maxon eine sehr widersprüchliche Situation: Auf der einen Seite produzieren wir hochpräzise Antriebe, welche qualifizierte Fachleute brauchen. Auf der anderen Seite haben viele unserer rund 400 Mitarbeiterinnen in der Produktion keinen Berufsabschluss.» Da das Einzugsgebiet in Obwalden begrenzt sei, wolle das Unternehmen selbst dafür sorgen, dass die Mitarbeitenden die Kompetenzen erwerben können, die sie brauchen. So ermöglicht die Firma den Mitarbeitenden, Vollzeit zu arbeiten und daneben einen Berufsabschluss mit einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis EFZ zu erwerben. Obwohl die Klasse komplett getrennt vom herkömmlichen Berufsschulunterricht unterrichtet wird, müssen die Teilnehmenden im Berufskundeunterricht dasselbe Qualifikationsverfahren bestehen wie Jugendliche der dreijährigen Ausbildung.

Durch den Berufsabschluss entsteht ein Mehrwert für das Unternehmen, aber auch für die Mitarbeitenden. Qualitätsleiter Oliver Conzelmann hat keine Angst, dass maxon diese neu qualifizierten Fachkräfte an andere Unternehmen verlieren wird: «Unsere Mitarbeitenden sind uns wichtig, und das möchten wir ihnen mit diesem Angebot zeigen. Und ausgebildete Fachkräfte werden immer wichtiger, da die technischen Anforderungen auch in der Zukunft rasant ansteigen werden.»


Text: Luisa Böbner / Bild: Christoph Arnet

Film AB!

Ein Ausschnitt aus dem Film vom BWZ Obwalden über Allgemeinbildung für Erwachsene

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