Als Team zum Wunschberuf

Die Berufswahl ist ein Prozess mit Hochs und Tiefs. Das Umfeld ist dabei eine wichtige Stütze, wie die Geschichte der Familie Lussi zeigt. Ein Porträt einer Familie, welche die Berufswahl mit Offenheit, Feingefühl und der nötigen Konsequenz in Angriff nimmt.

31.10.2020, Text: Daniela Imsand / Bild: Christoph Arnet

Für Daniela, Beat, Elena und Lorena (von links) war und ist die Berufswahl ein Prozess, den man gemeinsam durchläuft.

 

Fotografin, Polizistin, Schreinerin oder doch Rettungssanitäterin? Lorena Lussi hatte unzählige Vorstellungen, welches Berufsziel sie anpeilen könnte. «Typisch», meint sie lachend, «ich habe immer tausend Ideen im Kopf.» Doch für die Berufswahl sei dies nicht hilfreich gewesen. Weil sie vieles gerne mache, habe sie sich anfangs überfordert gefühlt: «Ich habe überhaupt nicht gewusst, was ich machen oder wo ich anfangen soll.» Heute ist Lorena im zweiten Lehrjahr als Fachfrau Gesundheit beim Kantonsspital Luzern und sehr glücklich. Mit viel Freude und leuchtenden Augen erzählt sie von ihrer Lehrstelle. Bis dahin war es aber ein langer Weg, auf dem die 17-jährige Nidwaldnerin wertvolle Unterstützung erhalten hat. Nebst dem Lehrer in der Oberstufe Oberdorf war die Familie ihr wichtigster Begleiter.

Das «Team Lussi»
Sprechen wir von der Familie Lussi, dann sind das Vater Beat, Mutter Daniela und die jüngere Schwester Elena. Die vier halten zusammen, das spürt man sofort. Von Anfang an haben sie ihre älteste Tochter bei der Berufswahl unterstützt. «Gerade weil sie so viele Interessen hatte, haben wir sie ermutigt, in unterschiedlichste Bereiche zu schauen», erklärt Daniela Lussi. So schnupperte Lorena als Tierarztgehilfin, als Schreinerin, als Fotografin oder als Fachfrau Gesundheit. Die Eltern haben Lorena freie Hand gelassen, wie Beat Lussi sagt: «Es ist ihr Leben. Sie muss Freude haben an dem, was sie macht.» Und Daniela bringt es auf den Punkt: «Mir ist wichtig, dass Jugendliche auf ihr Herz hören und sich nicht vom Umfeld beeinflussen lassen. Wir Eltern sollen aber unterstützen.»

Da sein und ermutigen
So war es Beat und Daniela Lussi wichtig, die Berufswahl am Familientisch zum Thema zu machen: Interesse zeigen, nachfragen und begleiten. «Wir haben Lorena geholfen, nötige Informationen zu sammeln oder nächste Schritte zu besprechen», erzählt Daniela. Diese musste Lorena dann aber selber ausführen, zum Beispiel Schnuppertage per Telefon organisieren. «Ach, das war schrecklich», bemerkt Lorena mit verzerrtem Gesicht. Sie sei vor den Telefonaten immer unglaublich nervös gewesen. So hat Daniela mit ihr die Gespräche geübt, während Beat für seine Tochter einen etwas pragmatischeren Tipp hatte: «Zweimal einatmen und den Hörer in die Hand nehmen.»

Rückschläge gehören dazu
Mit ihrer offenen und herzlichen Art haben die Lussis den Berufswahlprozess sehr gut gemeistert. Auf die Frage, ob es denn nicht auch Konflikte gab, lachen sie und Daniela sagt sofort: «Oh doch!» Daniela Lussi ist selber in der Gesundheitsbranche tätig und wusste aus Erfahrung, dass solche Schnupperstellen frühzeitig organisiert werden müssen. Sie wies Lorena bereits Ende der 7. Klasse darauf hin, die dafür aber kein Gehör hatte und der Ansicht war, dass ihr Mami unnötig stresse. Rückblickend ist Lorena dankbar, dass ihre Mutter etwas Dampf machte: «Sonst hätte ich gar nicht genügend Zeit gehabt, alles kennenzulernen.» Zu Unsicherheit haben auch die Schulnoten geführt. Lorena und ihre Eltern mussten die Erfahrung machen, dass die Noten manchmal über die Bedürfnisse der Jugendlichen gestellt wurden. Lorena war damals im Niveau B der Oberstufe. «Ich hatte das Gefühl, dass ich nicht gut genug bin und die Ansprüche nicht erfülle», blickt sie zurück. Bei der Familie Lussi ging es aber immer zuerst um Lorena als Mensch, um ihre Interessen und Stärken. «Wir haben Lorena ermutigt, sich nicht von ihrem Weg abhalten zu lassen und ihre Ziele zu verfolgen», betont Daniela. Und mit dem Ziel für eine Lehrstelle als Fachfrau Gesundheit hat Lorena in der Schule Vollgas gegeben und in Mathe den Sprung in das Niveau A geschafft.


«Ich habe überhaupt nicht gewusst, was ich machen oder wo ich anfangen soll.»

Lorena Lussi


Ein Plus für die Praxis
Dass Lorena ihren Traumberuf gefunden hat, sei auch dem Schnuppern zu verdanken, ist Beat Lussi überzeugt. Der Einbezug der Praxis war den Lussis sehr wichtig. «Ich konnte mir ein Bild vom Beruf machen und dieses mit meinen Stärken abgleichen», bestätigt Lorena. Jedoch nimmt das Schnuppern viel Zeit ein – besonders im Fall von Lorena. So mussten die Lussis in dieser Zeit auf Familienferien verzichten. «Die Berufswahl muss einfach Priorität haben», sagt Daniela. Hilfreich war auch der Zebi-Besuch, wie Lorena sagt: «Ich konnte mit Lernenden sprechen und habe viel über den Arbeitsalltag erfahren. Und bei den Schreinern konnte ich einen Natelhalter selber herstellen. Daraufhin wollte ich diesen Beruf unbedingt schnuppern», sprudelt es aus ihr heraus.

Bewerben als nächste Phase
Hat man sich dann für einen Beruf entschieden, beginnt die Lehrstellensuche. Lorena wünschte sich eine Stelle in einem Spital. «Ich war sehr traurig, als ich die erste Absage bekam», erinnert sie sich. Auch da war es wichtig, dass die Eltern unterstützend zur Seite standen und aufzeigten, dass dies in einem laufenden Prozess normal ist. Doch Lorena musste nicht lange enttäuscht sein. Wenig später bekam sie die Zusage von Luzern und ist voll des Lobes. Mit
einem Strahlen sagt sie: «Ich arbeite in einem tollen Team und es macht mega Spass.»

Wieder mitten im Berufswahlprozess
Für die Familie Lussi geht es weiter: Denn jetzt ist Elena mitten in der Berufswahl. Die 8.-Klässlerin setzt sich momentan in der Schule intensiv mit dem Thema auseinander. Sie schätzt die Unterstützung ihres Lehrers sowie auch die Arbeit mit dem Berufswahltagebuch. «Es hilft mir, meine Stärken und Schwächen sowie all die Möglichkeiten besser kennenzulernen.» Aber auch der Berufswahlprozess ihrer Schwester sei für sie «inspirierend gewesen» und sie sei um die Unterstützung der Familie froh. Diese bleibt auf jeden Fall ihrem Weg treu: Die ersten Schnuppertermine für Elena sind nämlich vereinbart – und so verzichtet die Familie auch diesen Herbst wieder auf gemeinsame Ferien.

Das Dankeschön an die Familie
Bei Elena geht es also gerade erst richtig los und Lorena blickt voller Motivation in die Zukunft. Ihr Traum, Rettungssanitäterin zu werden, der schlummert nämlich immer noch in ihr. «Ich muss ja schliesslich ein Ziel haben», sagt sie ganz selbstverständlich. Und werden Ziele erreicht, dann wird das bei den Lussis auch kräftig gefeiert. Mit ihrem ersten Lohn hat Lorena die ganze Familie zum Nachtessen eingeladen. Beat Lussi stupst seine jüngste Tochter Elena an und sagt: «Jetzt weisst du, was du zu tun hast.»

Berufswahlfahrplan

Wie sieht der Berufswahlprozess aus?
Jeder Kanton hat einen Berufswahlfahrplan erstellt, in dem die Berufswahlaktivitäten von der 7. bis zur 9. Klasse im zeitlichen Ablauf festgehalten sind.

Kanton Luzern

Kanton Nidwalden

Kanton Obwalden

Kanton Schwyz

Kanton Uri

Kanton Zug

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