Als Schweizergardist im Dienst des Papstes

Vize-Korporal Fabian Halter arbeitet seit Dezember 2016 für die Schweizergarde im Vatikan in Rom. Wie er dazu kam und was der 26-Jährige in seinem abwechslungsreichen Berufsalltag macht, erzählt er im Upgrade-Interview.

Fabian Halter bei seiner Vereidigung in Rom.
 

Vize-Korporal Fabian Halter, Sie sind 26 Jahre alt und stammen aus Sarnen. Wie kamen Sie dazu, sich als Schweizergardist ausbilden zu lassen und den Schritt nach Rom zu wagen? Das ist ja nicht gerade ein alltäglicher Berufsweg.
Fabian Halter: Es war ein Kindheitstraum, einmal Mitglied der Päpstlichen Schweizergarde und mitverantwortlich für die Sicherheit des Heiligen Vaters zu sein. Ausserdem war es die ideale Zeit nach der Lehre und der Rekrutenschule, eine neue Herausforderung anzugehen. Es reizte mich, für eine Zeit lang im Ausland zu wohnen und eine neue Sprache zu erlernen – dies in Kombination mit der Möglichkeit, erste Erfahrungen im Sicherheitsbereich zu sammeln und meinen Glauben vertiefen zu können.
 
Was haben Sie vor der Ausbildung zum Schweizergardisten gemacht?
Halter: Ich habe eine Lehre als Landschaftsgärtner und die Rekrutenschule in Thun als Panzergrenadier absolviert. Nach dem erfolgreichen Abschluss arbeitete ich als Landschaftsgärtner, bevor ich den Schritt nach Rom gewagt habe.
 
Muss man gewisse Anforderungen erfüllen oder Vorkenntnisse besitzen, um diesen Beruf erlernen zu können?
Halter: Ein Schweizergardist muss das schweizerische Bürgerrecht besitzen und praktizierender Katholik sein. Die Schweizergarde ist ein rein männliches Korps. Beim Eintritt in die Garde gilt ein Mindestalter von 19 Jahren und der Körpergrössenrichtwert liegt bei 1,74 m. Vor Antritt müssen eine einwandfreie Gesundheit und ein einwandfreier Leumund ausgewiesen werden. Ausserdem werden eine abgeschlossene Berufslehre EFZ oder eine Matura sowie eine abgeschlossene Rekrutenschule vorausgesetzt. Ich habe mich ausserdem verpflichtet, mich für mindestens 26 Monate in den Dienst der Päpstlichen Schweizergarde zu stellen. Ich möchte aber auch weiterhin mit vollem Einsatz im Dienst stehen.
 
Wie sah Ihre Ausbildung bei der Schweizergarde konkret aus?
Halter: Die Ausbildung ist in zwei Teile gegliedert. Zuerst geht man für vier Wochen nach Isone. Dort wird man von der Kantonspolizei Tessin ausgebildet. Im Fokus stehen Schiessausbildung, Nahkampf, Psychologie und Polizeitaktik, hinzu kommen die ersten Schritte im Erlernen der italienischen Sprache. Anschliessend geht es in den Vatikan, wo die interne vierwöchige Ausbildung beginnt. In dieser Phase liegt der Schwerpunkt beim Erlernen der italienischen Sprache, der Personen und Orte, des Umgangs mit der Hellebarde und des Exerzierens im Verband (militärisch: Zugschule). Die Ausbildung geht normalerweise von Montag bis Samstagmittag. Den Nachmittag und den Sonntag hat man frei. Natürlich nutzt man diese Zeit bereits, um die Stadt Rom zu erkunden. Nach der achtwöchigen Rekrutenschule wird man vom Rekruten zum Hellebardier befördert, nach zwei Jahren wurde ich Vize-Korporal (Unteroffizier).
 
Können Sie den Alltag eines Schweizergardisten etwas näher beschreiben?
Halter: Die päpstliche Schweizergarde wacht ständig über die persönliche Sicherheit des Heiligen Vaters und seiner Residenz. Sie bewacht alle offiziellen Eingänge zur Vatikanstadt, führt Zutrittskontrollen durch und steht Besucherinnen und Besuchern aus aller Welt für Auskünfte rund um den Vatikan zur Verfügung. Schweizergardisten überwachen bei Audienzen und kirchlichen Zeremonien mit dem Heiligen Vater das Geschehen. Höhere Unteroffiziere und Offiziere begleiten den Heiligen Vater auch auf seinen Apostolischen Reisen ins Ausland. Bei offiziellen Besuchen von Staatspräsidenten, Premierministern und Botschaftern leisten Schweizergardisten die Ehrendienste.
 
Welche Aufgaben gefallen Ihnen am besten?
Halter: Am besten gefallen mir die ausserordentlichen Dienste als Sektorenchef im Anzug. Das Schöne an diesen Diensten ist die übertragene Verantwortung und die Möglichkeit, meine Kameraden in ihrem Einsatz zu unterstützen. Natürlich ist auch der Dienst vor der Wohnung des Heiligen Vaters immer sehr speziell. Ihn fast täglich zu sehen, ist ein Privileg.
 
Welche Aufgaben gestalten sich als besondere Herausforderungen?
Halter: Der Dienst bei Audienzen und Messen ist immer eine Herausforderung. Da mehrere Zehntausend Pilger anwesend sind, bedarf es einer guten Planung und Umsetzung. Jeder Gardist muss seine Aufgaben genau kennen und umsetzen. Es braucht ein gutes Teamwork und Erfahrung, um solche grossen Events ohne Probleme zu meistern. Aus diesem Grund sind die Kader und die älteren Gardisten sehr wichtig. Sie führen die jüngeren Gardisten in den Dienst ein und unterstützen neue Kameraden.

Wem würden Sie den Beruf des Gardisten empfehlen und wieso?
Halter: Ich empfehle jedem jungen, katholischen Schweizer mit Interesse am Militär, diese Erfahrung zu machen. Der Dienst ist sehr abwechslungsreich. Man erlernt eine neue Sprache und lebt im Ausland, und ausserdem lernt man Menschen aus der ganzen Welt kennen. Als gläubiger Christ hat man die Möglichkeit, im Herzen der katholischen Kirche und im nahen Umfeld des Heiligen Vaters seinen Dienst zu leisten. Man absolviert eine professionelle Ausbildung und wird ständig durch diverse Sicherheitstrainings, entweder intern oder bei Militär oder Polizei, weitergebildet. Natürlich schliesst man auch Freundschaften fürs Leben. Ich bin sehr froh, diesen Schritt gewagt zu haben, und bereue es keine Sekunde.


Interview: Luisa Böbner / Bild: zVg

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