«Ziel fokussieren und nie den Spass verlieren»

Der 22-jährige Schreiner Daniel Kunz erinnert sich gut an seine Teilnahme an den Swiss Skills 2018 – ein unvergessliches Erlebnis. Heute, zwei Jahre später, ist er selbst Experte an den Schreinermeisterschaften. Ein Gespräch über seine Erfahrungen und seine Motivation.

31.10.2020, Text: Irene Reis / Bild: Pius Duss, Verband Luzerner Schreiner

Daniel Kunz geht in der Schreinerarbeit auf: hier im Aus- und Weiterbildungszentrum der Luzerner Schreiner in Rothenburg.

 

Die neun besten Schreiner kämpfen an den Swiss Skills Championships an der Zebi um den Schweizermeistertitel. Vor zwei Jahren waren Sie selbst an dieser Stelle. Woran erinnern Sie sich?
Die Swiss Skills sind ein unvergleichliches Erlebnis. Diese vier Tage sind überwältigend. Das Publikum, die Stimmung, die Bekanntschaften, dass man seinen Beruf präsentieren darf. Aber auch das Drumherum: So fand ich mich plötzlich im Medieninteresse wieder und gab Jann Billeter oder Cornelia Boesch vom SRF Fernsehinterviews.

Die Teilnehmenden berichten immer wieder, dass auch der Weg dahin eine grosse Erfahrung sei. Wie war das bei Ihnen?
Ich habe unglaublich viel gelernt. Ich habe mir angewöhnt,  schnell und gleichzeitig qualitativ gut zu arbeiten. Ich konnte meine Leistung steigern, sammelte fachliche Erfahrungen und wurde viel belastbarer. Die Liste ist lang. Erste Erfahrungen sammelte ich bereits in den Qualifikationsrunden. Ende 2017 belegte ich an den Sektionsmeisterschaften – ich war an der Luzerner Sektion in Rothenburg – den ersten Rang. Dann qualifizierte ich mich für die Regionalmeisterschaft im Frühling 2018 und wurde dort ebenfalls Erster. So kam ich in die Nationalmannschaft. Dann ging alles sehr schnell. Wir hatten drei Vorwettkämpfe sowie diverse Trainings. Gleichzeitig schloss ich im Sommer 2018 die Lehre ab. Es war eine spannende, aber intensive Zeit.

Das tönt eher so, als wären Sie einfach durchspaziert. Wie haben Sie sich vorbereitet?
Es war nicht nur ein Spaziergang. Aber wenn man etwas mit Freude macht, fällt es leicht, Zeit und Energie hineinzustecken. Bei mir ist alles sehr gut aufgegangen. Ich war nach dem Lehrabschluss einen Monat in der Schreinerei meines Bruders angestellt. Dadurch war ich sehr flexibel und hatte genügend Zeit, mich vorzubereiten, zu trainieren sowie die Werkzeuge und Maschinen einzurichten. Eine gute Vorbereitung, insbesondere der Werkzeuge, ist enorm wichtig. Es wäre doch schade, wenn man durch schlecht bereitgelegte Werkzeuge Zeit oder Punkte verliert.

All diese Erfahrungen und die Vorbereitungen konnten Sie beim Wettbewerb sicher gut gebrauchen.
Auf jeden Fall. Wir erhielten die Aufgaben erst am Wettkampftag. Es gab im Wettbewerb «Möbelschreiner» und im Wettbewerb «Massivholzschreiner» je ein Werkstück, für beide hatten wir zwei Tage Zeit. Das ist wirklich knapp. Selbst für das Planstudium und die Planung des Arbeitsablaufs hat man nur eine halbe Stunde Zeit.

Die Aufgaben haben Sie aber mit Bravour gelöst: 2. Rang beim Wettbewerb «Massivholzschreiner» und 4. Rang beim Wettbewerb «Möbelschreiner». Nur um wenige Punkte hatten Sie den Einzug an die World Skills verpasst.

Wie blicken Sie darauf zurück?
Es war wirklich haarscharf. Da Jérémie Droz bei beiden Wettbewerben den ersten Rang belegt hatte, musste der zweite Startplatz für die World Skills unter uns Zweitplatzierten der beiden Wettbewerbe ausgemacht werden. Beim Punktevergleich reichte es für mich um wenige Punkte nicht und Samanta Kämpf hatte es geschafft. Ich habe es ihr sehr gegönnt. Aber es hat mich zuerst natürlich gewurmt. Heute kann ich sagen: Ich konnte an den Swiss Skills so viel lernen und erleben – das hat sich bereits gelohnt.

Jetzt engagieren Sie sich für die Teilnehmenden der Swiss Skills 2020. Sie leiteten vor den Regionalmeisterschaften die Trainings der Luzerner Teilnehmenden.
Genau, wie damals bei mir qualifizierte sich eine Gruppe von zehn Teilnehmenden an den Sektionsmeisterschaften und trainierte gemeinsam für die Regionalmeisterschaften. Die Talente haben es sehr geschätzt, dass sie von meinen Erfahrungen profitieren konnten. Es gab viele persönliche Fragen, die über das Fachliche hinausgingen. Auch als ich meine Wettbewerbsarbeiten mitbrachte, gab es staunende Blicke. Es war schön, die Freude und ein paar Tipps weitergeben zu können.

Von Ihren «Schützlingen» hat sich schliesslich niemand für die Swiss Skills qualifiziert. Sind Sie enttäuscht?
Natürlich hätte ich es ihnen gegönnt. Vor allem bei einem Teilnehmer war es sehr knapp. Es wäre auch für mich spannend gewesen, ihn weiterzucoachen und zu begleiten.

Stattdessen sind Sie für die nächste Stufe angefragt worden und werden Experte an den Swiss Skills Championships der Schreiner/in an der Zebi. Freuen Sie sich auf diese Aufgabe?
Absolut! Ich habe auch sofort zugesagt. Ich freue mich darauf, die Seite zu wechseln sowie verfolgen und bewerten zu dürfen, was die Talente leisten. Es freut mich natürlich sehr, dass dies an der Zebi in Luzern stattfindet.

Ein letzter Tipp für die Finalisten?
Das Ziel fokussieren und nie den Spass verlieren. Das war auch immer mein Motto.

 

Daniel Kunz...

...ist 22 Jahre alt, wohnt in Egolzwil und arbeitet in der Produktion bei Schaerholzbau, Altbüron, wo er schon seine Lehre gemacht hat. Die elterliche Schreinerei in Melchnau BE hat seine Kindheit geprägt – und seine Berufswahl. Auch heute «werkt» er oft in der Familien-Schreinerei, die sein ältester Bruder übernommen hat. «Meine ganze Wohnungs- einrichtung besteht aus eigenen Möbeln», sagt er stolz. Diesen Herbst hat Daniel Kunz die Weiterbildung als Fertigungsspezialist VSSM begonnen, an welche er den Projektleiter VSSM anhängen will. Als nächstes Ziel hat er bereits den dipl. Techniker HF oder den Schreinermeister ins Auge gefasst.

Mein Weg

Fertigungsspezialist VSSM

Experte Swiss Skills 2020

Teilnahme Swiss Skills 2018

Schreiner EFZ

Swiss Skills 2018

Das SRF begleitete die letzten acht Minuten des Wettbewerbs vor zwei Jahren. Ab Minute 8:35 sieht man Daniel Kunz im Interview.

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