Schritt für Schritt bis zum Pflegefachmann
Mit 15 Jahren entschied sich Selvan Lichtsteiner für eine EBA-Ausbildung zum Assistenten Gesundheit und Soziales. Nach deren Abschluss setzte er seinen Weg mit der Lehre als Fachmann Gesundheit EFZ fort. Heute ist der 22-jährige Luzerner im Studium zum diplomierten Pflegefachmann HF und überzeugt: Gerade die vielen kleinen Schritte waren für ihn genau der richtige Weg.
Text: Vanessa Wanner / Bilder: Christoph Arnet
Erschienen im Zebi Magazin 2026, 31. Oktober 2026
Selvan Lichtsteiner befindet sich im vierten und letzten Semester seines zweijährigen HF-Studiums Pflege. Alle dazugehörigen Praxiseinsätze absolvierte er im Alters- und Pflegezentrum Viva Luzern Wesemlin, wo er sich derzeit in seinem letzten Einsatz befindet. Dort übernimmt er vielfältige Aufgaben in der Pflege, trägt regelmässig die Tagesverantwortung auf der Station und arbeitet an individuellen Pflegezielen für die Bewohnenden.
Nach seinem Abschluss im November kann er auf insgesamt sieben Ausbildungs- und Berufsjahre zurückblicken, in denen er sich Schritt für Schritt weiterentwickelt hat. Rückblickend ist für ihn klar: Jeder einzelne Schritt hat ihn dorthin gebracht, wo er heute steht.
Familie als Vorbild
Bereits in jungen Jahren kam Selvan mit dem Berufsfeld Pflege in Kontakt. Sowohl seine Eltern als auch sein älterer Bruder sind als Pflegefachpersonen tätig. Dadurch entwickelte auch er früh Interesse an diesem Beruf.
Seine Neugier führte ihn zu einer Schnupperlehre in einem Altersheim. Dabei war für Selvan sofort klar: «Die Arbeit mit Menschen bereitet mir Freude und der Pflegeberuf ist genau das Richtige für mich.»
Neben seinem Interesse an der Branche bringt Selvan auch Eigenschaften mit, die ihm im Berufsalltag zugutekommen. «Mir ist wichtig, den Menschen offen zu begegnen und ihnen das Gefühl zu geben, dass sie gut aufgehoben sind», sagt er.
«Mir ist wichtig, den Menschen offen zu begegnen und ihnen das Gefühl zu geben, dass sie gut aufgehoben sind»
Selvan Lichtsteiner
Start mit EBA
Bestärkt durch die Erfahrung in der Schnupperlehre entschied sich Selvan für die zweijährige Ausbildung zum Assistenten Gesundheit und Soziales EBA. Diese vermittelt die Grundlagen der Pflege und Betreuung und ermöglicht dank ihres hohen Praxisanteils einen direkten Einstieg in den Berufsalltag. Für Selvan der passende Weg: «Ich war einfach noch sehr jung, und die EBA-Ausbildung hat sich für mich in diesem Moment richtig angefühlt», erklärt der heute 22-Jährige.
Bereits während seiner ersten Ausbildung im Alters- und Pflegeheim Unterlöchli in Luzern wurde Selvan klar, dass er sich in der Pflege weiterentwickeln wollte. Schon früh fasste er deshalb den Entschluss, nach der EBA-Lehre die Ausbildung zum Fachmann Gesundheit EFZ anzuhängen. Sein Ziel war es, sein Fachwissen zu vertiefen, mehr Verantwortung zu übernehmen und die Menschen in der Pflege noch besser unterstützen zu können.
«Ich war einfach noch sehr jung, und die EBA-Ausbildung hat sich für mich in diesem Moment richtig angefühlt»
Selvan Lichtsteiner
Der nächste Schritt
Dank seiner Erstlehre, konnte Selvan direkt ins zweite Lehrjahr der verkürzten Ausbildung zum Fachmann Gesundheit EFZ einsteigen. Für diesen nächsten Ausbildungsschritt suchte er selbstständig nach einem neuen Ausbildungsbetrieb und bewarb sich bei Viva Luzern Wesemlin. Dort konnte er auf den Grundlagen seiner ersten Ausbildung aufbauen, sein pflegerisches Fachwissen vertiefen und mehr Verantwortung in der Betreuung und Pflege der Bewohnenden übernehmen. Besonders schätzte er den hohen Praxisanteil, durch den er sein Wissen direkt anwenden und weiterentwickeln konnte.
«Die zweite Lehre war schulisch anspruchsvoller als die erste», blickt Selvan zurück. Umso wichtiger war die Unterstützung durch seinen Lehrbetrieb. Besonders hebt Selvan die Leiterin der Berufsbildung Anjuli Reid-Schmidiger hervor. «Sie hat uns Lernende moralisch und schulisch immer unterstützt», drückt er seine Dankbarkeit aus. Eine weitere Stütze war eine Arbeitskollegin, die genau denselben Bildungsweg ging. Gemeinsam mit ihr startete Selvan ins zweite Lehrjahr der EFZ-Ausbildung. «Es hat mir sehr geholfen zu sehen, dass ich nicht allein bin und mich mit einer Gleichgesinnten austauschen konnte.»
Zeit für neue Erfahrungen
Nachdem Selvan mit 19 Jahren die Lehre zum Fachmann Gesundheit EFZ abgeschlossen hatte, sammelte er Berufserfahrung in verschiedenen Unternehmen und bereiste die Welt. Die unterschiedlichen Arbeitseinsätze ermöglichten es ihm, sein Fachwissen zu vertiefen, sich persönlich weiterzuentwickeln und seinen eigenen Arbeitsstil zu finden.
Mit jeder neuen Erfahrung wuchs auch hier wieder der Wunsch, sich fachlich weiterzuentwickeln. Gleichzeitig trieb ihn der Wunsch an, einen noch grösseren Beitrag für die Gesellschaft und die Pflege zu leisten. Der letzte Funken gaben sein Bruder sowie Mitarbeitende, die eine Höhere Fachschule (HF) absolviert hatten. «Mit Menschen zu sprechen, die es bereits geschafft haben, half mir bei der Entscheidungsfindung», erklärt er. Und so entschied sich Selvan für eine weiteren Bildungsschritt: die zweijährige HF-Ausbildung in der Pflege.
«Mit Menschen zu sprechen, die es bereits geschafft haben, half mir bei der Entscheidungsfindung»
Selvan Lichtsteiner
Der Weg zum diplomierten Pflegefachmann HF
Während der zweijährigen Ausbildung wechselten sich Theorieblöcke an der Höheren Fachschule XUND in Luzern mit Praxiseinsätzen im Ausbildungsbetrieb regelmässig ab. So konnte er das Gelernte direkt in der Praxis anwenden und vertiefen. Auch während seiner HF-Ausbildung konnte Selvan auf die Unterstützung von Viva Luzern Wesemlin zählen. Besonders hebt er dabei die Pflegedienstleiterin Ismeta Kolic hervor, die ihn auf seinem Ausbildungsweg unterstützte.
So steht er heute kurz vor dem HF-Abschluss: Dieser eröffnet Selvan neue Türen, wie zum Beispiel in der Bildung oder Gesundheitspolitik. Bereiche, in denen er sich später für die Weiterentwicklung der Pflege engagieren könnte. Als diplomierter Pflegefachmann würde Selvan auch der Zugang zur Hochschule offenstehen. So wäre ein Bachelor-Studium in Pflege an der HSLU auch ohne Matura möglich.
Die Ausbildungen in der Pflege haben Selvan vieles gelehrt. Heute blickt er stolz auf seinen bisherigen Weg zurück. Trotz anspruchsvoller Zeiten würde er sich wieder dafür entscheiden. «Es ist wichtig, auf sich selbst zu hören, dem eigenen Gefühl zu folgen und den Mut zu haben, den Weg zu gehen, der zu einem passt.»
Mein Weg
↑ dipl. Pflegefachmann HF
↑ Fachmann Gesundheit EFZ
↑ Assistent Gesundheit und Sozialem EBA
↑ Sekundarschule
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