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Von der Yogamatte ins Klassenzimmer

Vera Achana war Profisportlerin, führte ein Yogastudio und steht als alleinerziehende Mutter zweier Söhne mitten im Leben. Heute studiert sie an der Pädagogischen Hochschule Schwyz und unterrichtet eine Primarklasse. Das Fernstudium ermöglicht ihr den Berufswechsel.

Zebi – Zentralschweizer Bildungstreffpunkt

Text: Roger Amberg / Bilder: zVg
Erschienen im Zebi Magazin 2026, 31. Oktober 2026

Sie drehte Pirouetten auf dem Eis, tanzte vor Tausenden Menschen in Paris und begeisterte als Yogalehrerin viele Kundinnen und Kunden. Doch während der Corona-Pandemie stand Vera Achana vor einer beruflichen Neuorientierung. Ihr eigenes Yogastudio liess sich mit Online-Angeboten nicht mehr kostendeckend weiterführen. Die alleinerziehende Mutter von zwei Söhnen musste entscheiden, ob sie das Studio neu aufbauen oder einen anderen Weg einschlagen wollte. Da las sie einen Artikel über den Lehrpersonenmangel.

Der Gedanke, als Lehrerin zu arbeiten, sprach sie sofort an. «Ich stellte mir vor, wie ich als Lehrerin vor einer Klasse stehe. Das fand ich direkt sympathisch», erinnert sich Vera Achana. Bereits am nächsten Tag suchte sie nach offenen Stellen und nahm Kontakt mit einer Schule auf. Ihr ungewöhnlicher Lebenslauf weckte Interesse. Als Profisportlerin war sie drei Jahre mit Holiday on Ice auf Tournee, absolvierte in Nizza eine Tanzausbildung und arbeitete als Tänzerin in Paris. Später studierte sie Ethik, erlangte ein Wirtschaftsdiplom, arbeitete bei einer Bank und machte sich schliesslich als Yogalehrerin selbstständig.

Studieren trotz vollem Terminkalender

Kurz nach den ersten Gesprächen stand Vera Achana noch ohne Lehrdiplom vor ihrer ersten Klasse, verbunden mit dem Versprechen, die Ausbildung nachzuholen. Sie lebt in Zürich, arbeitet inzwischen seit vier Jahren an einer Primarschule in Altstetten und ist dort zu 60 Prozent angestellt. Zudem ist sie als Mutter für ihre beiden 17- und 20-jährigen Söhne da. Ein klassisches Vollzeitstudium kam für sie deshalb nicht infrage. «Doch das Fernstudium der PH Schwyz ist genau die Studienform, die mir die nötige Flexibilität bietet», sagt Vera.


«Ich stellte mir vor, wie ich als Lehrerin vor einer Klasse stehe. Das fand ich direkt sympathisch»

Vera Achana


Das Studium dauert vier Jahre und richtet sich an Berufstätige, Eltern und Menschen, die sich beruflich neu orientieren wollen. Pro Semester finden drei Präsenzwochenenden in Goldau und drei Online-Wochenenden statt, jeweils von Donnerstagnachmittag bis Samstagnachmittag. Hinzu kommen einzelne Blocktage innerhalb einer festgelegten Woche. Dazwischen bearbeiten die Studierenden Aufträge selbstständig. Während des Studiums sind zudem Praktika zu absolvieren. Ab dem zweiten Studienjahr können diese unter bestimmten Voraussetzungen an der eigenen Schule geleistet werden.

Flexibel, aber nicht weniger anspruchsvoll

Weniger Präsenz bedeutet nicht weniger Inhalt. Das Fernstudium umfasst wie das dreijährige Regelstudium 180 ECTS-Punkte, stellt die gleichen fachlichen und praktischen Anforderungen und führt zum gleichen Abschluss. Die Inhalte verteilen sich lediglich anders und über einen längeren Zeitraum. Studiengangsleiterin Désirée Fahrni erklärt: «Der Unterschied liegt nicht darin, was die Studierenden lernen, sondern wie sie sich diese Kompetenzen aneignen.»


«Das Fernstudium der PH Schwyz war die einzige Studienform, die mir die nötige Flexibilität bot.»

Vera Achana


An Schultagen kehrt Vera Achana manchmal erst gegen 18 oder 19 Uhr nach Hause zurück. Danach schaut sie noch eine digital zugängliche Vorlesung. Von Donnerstagnachmittag bis Samstag gehört ihre Zeit meist komplett dem Studium. «Und selbst am Sonntag arbeite ich oft noch an Studienaufträgen.» Ihr Yogastudio führte sie zunächst nebenher weiter, gab diese Arbeit wegen der hohen Belastung aber auf.

«Es ist streng. Man muss dranbleiben und darf die Motivation nicht verlieren», sagt Vera. Wer Fernstudium mit Beruf und Familie verbinden wolle, müsse gut planen und akzeptieren, nicht überall perfekt sein zu können. Doch dann zahle es sich aus.

Theorie trifft Schulalltag

Dass Studium und Unterricht eng verbunden sind, erlebt Vera Achana täglich in ihrer Arbeit. In der ersten Klasse helfen ihr Geduld, Beziehungsarbeit und die Erfahrung als Mutter. Gleichzeitig merkt sie, was ihr noch fehlt: eine Klasse über vier Lektionen zu führen und auch in unruhigen Momenten einen gemeinsamen «Flow» zu finden. Dafür liefert ihr das Studium passende Werkzeuge. Diese kann sie direkt im Unterricht anwenden und ihre Beobachtungen zurück ins Modul bringen. Mentorinnen und Mentoren sowie Praxiscoaches der PH Schwyz begleiten sie dabei.

Freude am Lernen bewahren

Désirée Fahrni betont die Wichtigkeit der persönlichen Begleitung: «Das Fernstudium ist kein anonymes Studium. Die Studierenden kennen die Dozierenden und ihre Studiengruppe.» Gerade weil ein grosser Teil des Studiums nicht vor Ort stattfinde, würden die gemeinsamen Begegnungen bewusst gestaltet.


«Das Fernstudium ist kein anonymes Studium. Die Studierenden kennen die Dozierenden und ihre Studiengruppe.»

Désirée Fahrni, Studiengangsleiterin PH Schwyz


Vera Achana gehört zum ersten Jahrgang, der 2024 in das neue Fernstudium gestartet ist. Inzwischen hat sie die Hälfte des Studiums absolviert. Sie möchte eine Lehrerin sein, die Beziehungen aufbaut und ein angstfreies Lernklima schafft. Denn Kinder würden viel Neugier und «lebenssprühende Energie» mitbringen, die es zu fördern gelte. Dies umzusetzen ermöglicht ihr ein Studienmodell, das nicht nur Platz für unterschiedliche Lebenssituationen schafft, sondern auch für unterschiedliche Lebenserfahrungen.


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Sonntag, 8. November 2026, 12.00 bis 17.00 Uhr
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